Hat jemand Tipps zum richtigen Lernen von CW?


#1

Seit ich mein Rufzeichen habe, habe ich mir auch vorgenommen, CW zu lernen. Leider fehlt mir die Disziplin und das Durchhaltevermögen. Wenn ich mich mal ein paar Abende ransetze, komme ich gut voran, aber dann verlässt mich die Motivation wieder für einen längeren Zeitraum.

Zum Üben habe ich die Webseite LCWO ( https://lcwo.net/ ) entdeckt. Das ganze läuft online im Browser und man benötigt keine lokale Installation. Gelernt wird dort mit der Koch-Methode und es geht hauptsächlich ums Hören. Ich habe mir sagen lassen, dass wenn man flüssig hören kann, das Geben später leicht zu lernen ist.

Das schöne an der Lösung ist, dass man die gehörten Texte direkt auf der Tastatur tippen kann. Da ich auf der Tastatur wesentlich schneller bin, als mit meinen Wurstfingern auf dem verschmierten Smartphone-Display, kann ich die Geschwindigkeit deutlich höher setzen als bei den Smartphone Apps.

Vielleicht ist ja noch der ein oder andere dort angemeldet (oder hat es vor). Man kann dort auch Gruppen bilden. Vielleicht kann man sich darüber dann gegenseitig motivieren.

In dem Sinne:

73 de dadidid dadida didididada dada didadidid


#2

Moin, da will ich mal meinen ungekochten Senf dazu geben. Ich finde, das die beste Lösung die mit dem wenigsten Aufwand ist. Schließlich ist CW sozusagen die Ursprache des Amateurfunks. Ich kann jedem den alten Kassetten Lehrgang vom DARC empfehlen. Mittlerweile gibt es den auch schon als MP3 Lektionsversion. Auch ich habe alle Lektionen UND das alte Handbuch als PDF vorliegen. Dieser Lehrgang sagt, das Du mit den Ohren hören und mit der Hand und Stift schreiben sollst. Später, im gnadenlosen CW Betrieb, wirst Du auch Stift und Papier nehmen. Es wird lediglich ein MP3 Player (CD Spieler) benötigt. Nimm Dir jeden Tag eine Lektion vor (absolviere sie vielleicht auch 2x), dann wirst Du in einem Monat fertig sein. Mit dem Geben beginne, wenn Du alle Zeichen langsam hören kannst. Das kommt dann schon von alleine. Ich halte nichts von computergestützten CW Kursen, Internettools usw…
73 de Peter


#3

Moin Peter, @DL4ABB

vielen Dank für Deine Anmerkungen. Mit Zettel und Stift magst Du Recht haben. Das werde ich mal ausprobieren.

Mit dem MP3 Lehrgang von Herrn Moltrecht bin ich nicht klargekommen. Ich finde, es wird viel zu langsam gegeben und wenn man die Lektionen wiederholt, kann man sie bereits beim 2. Mal mehr oder weniger auswendig. Ich habe den Lehrgang nach wenigen Lektionen abgebrochen.

Ich habe viel zu dem Thema gelesen (hätte ich mal lieber geübt ;-)) und die Koch-Methode wird mehrheitlich als die erfolgsversprechenste genannt. Ziel ist, dass man gleich die Zeichen in der Endgeschwindigkeit hört, so dass man gar keine Chance hat zum Zeichen zählen, und dafür dann am Anfang die Pausen zwischen den Zeichen und Wörtern etwas länger hat. Später reduziert man die Pausen, aber die Zeichen sitzen bereits von Anfang an in hoher Geschwindigkeit und man prägt sich wirklich den Rhythmus ein.

Das schöne an einer Software-gestützten Lösung ist, dass die Texte zufällig sind und man eine direkte und gnadenlose Erfolgskontrolle hat.

Buchstaben hören klappt bei mir schon sehr gut, Zahlen und Sonderzeichen bereiten mir noch Probleme. Das ist aber wirklich nur eine Frage der Übung und der Disziplin.

Auch habe ich zwischendurch immer wieder mal versucht, reale QSOs mitzuhören und mitzuschreiben. Hin und wieder klappt das ganz gut und die üblichen Q-Gruppen sitzen dann auch sehr schnell, so dass man einiges sogar im Kopf mitlesen kann. Allerdings wird tw. so schnell gegeben, dass man nur noch den Kopf schüttelt.

Aber die Vorlieben sind wie überall für jeden verschieden und vermutlich gibt es auch nicht “den besten Weg”, aber ich denke, wenn wir hier noch ein paar Ideen sammeln und Erfahrungen austauschen, wird jeder etwas passendes für sich finden.

Mich würde auch noch einmal interessieren, was für eine Morsetaste für den Anfang empfohlen wird. Sollte man mit einer normalen Taste anfangen, oder bietet es sich an, gleich mit einer Paddle-Lösung anzufangen?

73 de Martin, DK3ML


#4

Hallo,

da ich selbst einen CW-Kurs bei uns im OV leite seit Sommer, kann ich die Koch-Methode nur empfehlen. Wir machen das mit der G4FON-Software (einfach mal Google bemühen). Ich persönlich habe damit vor Jahren auch CW gelernt und mittels des Morse-Runners vertieft, bis ich mich dann aufs Band getraut habe.

Die G4FON-Software baut auch das Alphabet in einer recht guten Reihenfolge auf, so dass zunächst etwas einfachere Zeichen gelernt werden, um schnelle Erfolgserlebnisse zu bringen und die Motivation zu steigern, um dann eben im Laufe der Zeit ans Eingemachte zu gehen.

Was das Geben angeht, empfehle ich dir, zuerst dich auf’s Hören zu konzentrieren und erst wenn du in deiner dir vorgeträumten Zielgeschwindigkeit die Zeichen zu 75-90% alle sauber hören kannst, dich mit dem Geben selbst zu beschäftigen. Welche Taste man nehmen soll, ist Philosophie-Frage. Ich persönlich bin direkt mit einer Bencher BY-2 eingestiegen - also einem mechanischen Paddle, welcher an einer Iambic-B-Elektronik (z.B. dem Transceiver oder dem PK-2-Keyer von QRP-Projekte) angeschlossen wird. Nach ca. 1 Jahr habe ich dann mal eine alte russische Vertikaltaste aus dem Keller gekramt und damit bissel herumgespielt - aufgrund der Schmerzen im Handgelenk dann aber gelassen.

Wichtig ist hier, dir jemanden zu suchen, der mit der von dir gewählten Tastenart Erfahrungen hat, damit er dir mal auf die Finger schauen kann und dir direkt Haltungsfehler etc. anstreichen kann :slight_smile:

Wie gesagt - zuerst sauber Hören lernen, bevor du dich ans Geben machst!

73 de Kim
DG9VH


#5

Angemeldet bin ich auch, aber im Moment mangels Zeit noch nicht weiter als bis Lektion 3. CW lernen hab ich mir aber als neues Ziel für dieses Jahr gesetzt.


#6

LCWO wird am meisten empfohlen - aber jeder hat eine andere Art, sich CW beizubringen.
Eine gute Zusammenfassung kann man auf http://www.df2ok.privat.t-online.de/afu01a.htm nachlesen.

Wenn alle Zeichen in etwa “sitzen” - empfehle ich noch das Programm RUFZ von DL4MM - es gibt nur Rufzeichen - aber gut daran ist, das, wenn man die Calls falsch eintippt, die Geschwindigkeit verringert wird bis das nächste Call korrekt eingetippt wurde. Danach wieder schneller usw.
Am Ende gibt es eine Punktzahl. Nach und nach steigen die Punkte - d.h. auch, das man ein Erfolgserlebnis hat - das finde ich persönlich sehr motivierend und man kann sich auch gegen andere “messen” - was einen antreibt (wenn man sowas mag natürlich).

Ein weitere Fundgrube ist die Seite von Ludwig, DK5KE - http://www.qsl.net/dk5ke/

73 de Peter DF1LX - HSC, VHSC, SHSC, EHSC :slight_smile:


#7

Was mich ein bisschen stört bei LCWO ist die Reihenfolge in der man die Buchstaben lernt. Es dauert eine ganze Weile bis man zu den praktisch häufig vorkommenden kommt. Es geht los mit M, U, K, R , E … - Q kommt erst in Lektion 25, C sogar erst in 35 und D in 37 (erst dann kann ich mein eigenes Rufzeichen).
Ich würde anfangen mit C, Q, D, E, R, K, 5, 9 … um schon so früh wie möglich wenigstens ansatzweise QSOs mithören zu können. Spricht etwas dagegen die Reihenfolge zu ändern oder macht man es sich dadurch anderweitig schwer?


#8

Über Jahrzehnte wurde CW gelernt - und immer optimiert wie man es macht - gehe mal davon aus, das LCWO schon ein optimiertes Lernsystem vorschlägt - und in einer frühen Phase bereits QSOs mithören zu wollen - hm - gute Idee - aber es kann einiges “versauen” beim Lernen.


#9

Das mag sein. Man liest nur immer wieder, man soll das wie eine Sprache lernen und quasi intuitiv verwenden, aber dazu muss man es ja irgendwie anwenden. In der Schule hat man die Buchstaben ja auch so gelernt, dass man recht früh einfache Wörter schreiben konnte.


#10

Ich hab mich mal wieder festgebissen, über Lektion 3 auf LCWO komm ich nicht hinaus. Jedes einzelne Zeichen klappt gut aber sobald ich den Übungstext starte hört es auf. An manchen Tagen hab ich um die 95% ok, am nächsten Tag läuft es dann wieder ganz schlecht. Als Parameter hab ich Zeichengeschwindigkeit 22 (damit man ein schönes Klangbild hat und nicht Punkte und Striche zählt) und Effektivgeschwindigkeit 10 (damit ich überhaupt noch Zeit habe eine Taste zu drücken). Sollte ich mit den Abständen zwischen den Zeichen noch weiter runter gehen? Ich brauche noch zu viele Denkpausen. Irgendwie ist das ganze recht frustrierend.


#11

Du kannst auch mal versuchen (ich weiß, das klingt jetzt ein wenig verrückt), den Pausenabstand zu verringern - evtl. ist es so, dass du gerade wg. der langen Pause ins Nachdenken gerätst und damit dann den Anschluss an das nächste Zeichen verlierst. Versuchs mal und berichte.

Wir hatten bei uns im CW-Kurs exakt dieses Problem, dass die Zeichen zwar schnell genug kamen, um ein “mitzählen” zu verhindern, die Teilnehmer haben aber in den Pausen versucht, das Zeichen sich noch mal vorzusingen im Kopf und damit den Anschluss verloren.

Seit wir die Pausen verkleinert haben bei gleicher Zeichengeschwindigkeit, haben wir in der Regel viele, die beim ersten mal die 90% spielend packen.

73 de Kim
DG9VH


#12

Oh das klappt ja gar nicht. Wenn ich nur höre “verstehe” ich die Zeichen schon, aber gleichzeitig tippen (schreiben geht gar nicht) schaffe ich dann nicht mehr.
Und wenn ich einmal bei einer Stelle raus bin ist es ganz vorbei, dann komme ich überhaupt nicht mehr in den Fluss.
Bin wohl zu blöd für CW.


#13

Zu blöd ist keiner - mach lieber eine Pause - dann geht es wieder weiter.

Die Reihenfolge der zu lernenden Zeichen hat sich nach vielen Jahren so rauskristallisiert, das man am besten lernen kann.

Ansonsten - anstelle mitzutippen oder zu schreiben - sprech einfach die erkannten Buchstaben “laut” und zeichne das auf - Später kannste vergleichen, ob der Text ok war oder wie viele Fehler. Besser ist natürlich “Schreiben” - und möglichst nicht auf das Papier gucken - das muss man lernen, auch Lücken zu lassen - später im QSO macht man das schon “automatisch” und erkennt die Worte am Klang.

Wichtig - Pausen, wenn es wirklich nicht weitergeht. Du willst zu viel auf einmal scheint mir.
Peter


#14

Inzwischen läuft es wieder besser. Wenn ich entspannt und ausgeruht bin komm ich schon deutlich über 90% (bei entsprechenden Abtänden zwischen den Buchstaben). Ich verwendet meistens eine App auf dem Handy (Morse Mentor), weiß nicht wieso aber damit bin ich etwas besser als mit LCWO (was ich nebenbei auch noch mache).
Das mit dem Sprechen ist keine schlechte Idee. Mir hatte ein ehemaliger Seefunker auch mal gesagt, aufschreiben ist Mist, man soll einfach im Kopf “mitlesen” aber das geht ja nur bei sinnvollen Inhalten und nicht bei zufälligen Buchstabengruppen. Denke auch im QSO ergibt sich vieles aus dem Zusammenhang (wie bei natürlicher Sprache ja auch).

Zumindest macht es noch Spaß und ich hab mir fest vorgenommen das zu lernen.


#15

Moin Leute,

sehr lobenswerte Einstellung, ich habe so wie so den Eindruck, dass trotz oder gerade wegen der entfallenen CW-Prüfung, mehr Leute CW lernen. man hört es auch auf den Bändern. Das sind vor allem Leute, die dann auch qrv werden. Wie viele haben sich zur Prüfung CW in den Kopf “gequetscht” und es nach der Prüfung nie mehr benutzt.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht was da aktuell an Software auf dem Markt ist. Ich habe hier “Morsecat” installiert. Damit kann man Text-Files in CW “übersetzten”, ich lade mir dann z. B. den DL-Rundspruch, DX-Bulletin o. ä. aus dem Netz und höre die Texte beim Basteln in CW.
Gelernt habe auch ich nach der Koch-Methode, das war aber eine kombinierte WM/Luftwaffen Ausbildeung, da mein Onkel und mein Vater Funker beim Militär waren. Wir wohnten damals in einem Bauernhof als Großfamilie und wenn die Männer was zu “bereden” hatten, was die Zitat “Weiber” nichts anging dann wurde phonetisch gemorst. Das machte mich keinen Dotz (6 Jahre alt) natürlich neugierig und so bekam ich, 20 Jahre nach Kriegsende eine entsprechende Ausbildung, welche mit den, in der Schule gerade gelernten Buchstaben einher ging.Resultat: Ende des ersten Schuljahres war ich Klassenprimus in der Rechtschreibung und hörte CW ( am umgebauten Radio) bis Tempo 150. Geben habe ich erst ein Jahrzehnt später gelernt. Da gab es dann erst mal eine riesige Diskrepanz zwischen gehörtem und gegebenem Tempo, da hilft nur Üben, Üben und noch mal Üben.

Zum Hörenlernen auch ruhig mal von der Software weg auf den Bändern hören, da gibt es qso´s in jeder Geschwindigkeit auch viele mit Tempi von 30 - 60, dabei lernt man dann auch gleich die Betreibstechnik für CW und verinnerlicht sie. Nur nicht auf den Frequenzen von DXpeditionen, was da manchmal so läuft hat mit Betriebstechnik nur wenig gemein ;o)

73 und viel Erfolg
Joe


#16

Da ist wieder das Problem mit der Reihenfolge der Buchstaben bei Koch (siehe oben). Auf den Bändern hören kann man so erst nach sehr späten Lektionen.


#17

Hallo Haiko,

das sollte eigentlich egal sein…dann schreibst Du nur mit was Du kennst…
Ich weiß, einfacher gesagt als getan. Ein großes Problem, habe ich bei einigen Kursen beobachtet, ist, dass sobald ein unbekanntes Zeichen kommt, die Bleistifte fallen und geflucht wird ;o). Das wird Dir aber im QSO auch immer wieder passieren, da spratzt jemand von der Seite und verstümmelt ein oder mehrere Zeichen, Du musst Dich dann zwingen, das nächste bekannte Zeichen wieder aufzunehmen. Rufzeichen werden immer wiederholt, da muss man auch nicht gleich nachfragen, wenn man es beim ersten Anruf nicht verstanden hat. Bei Klartext QSOs füllt dann, nach einiger Übung, das Gehirn die Fehlstellen aus.
Bei höheren Tempi (> 180) hörst Du keine einzelen Zeichen mehr, da höst Du ganze Worte die sich aus der “Melodie” ergeben.

Viele kluge Sprüche ;o)
Das Wichtigste ist, dass es Spass macht, dann wird das auch was, es gibt immer mal Rückschläge, dann tatsächlich mal eine Pause einlegen.
Und sobald die Zeichen einigermaßen “sitzen”, ab auf die Bänder, keine Hemmungen, alle die am anderen Ende sitzen haben mal genau so angefangen und hatten bei den ersten QSO´s einen “Knoten” im Finger oder wie man hier im Rheinland sagt " den Köttel in de Bux" ;o))

73 Joe


#18

Ich verstehe nicht warum ich bei der Handy-App bei gleichen Einstellungen (22 WpM Zeichengeschwindigkeit, 10 WpM effektiv, 700Hz) viel besser bin als bei LCWO. Auf dem Handy liege ich immer deutlich über 90%, am PC bin ich total schnell raus obwohl es ja eigentlich viel einfacher ist auf der PC-Tastaur zu tippen als auf dem Handy-Bildschirm. Ob das Klappern der Tasten ablenkt?


#19

Da ich auch vorhabe CW zu lernen, werde ich auch mal in die App Morse Mentor reinhören und schauen ob ich damit klar komme.
73, Jürgen DK4BU


#20

Da bist Du nicht alleine…